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Für die schnelle und eindeutige Charakterisierung einer gespielten Person fragt man oft, ob diese 'gut' oder 'böse' sei - aber eine solche Erklärung ist meistens viel zu eindimensional und trifft selten genug wirklich zu. Das Rollenspielsystem Dungeons & Dragons behilft sich bei der Charaktereinordnung mit einem leicht verständlichen, aus neun Punkten zusammengesetzten System, bei dem den Begriffen gut, neutral und böse die Attribute rechtschaffen, neutral und chaotisch zugeordnet werden.

Die Begriffe gut und böse definieren hierbei das moralische Verhältnis des Charakters zu anderen Personen - eine gut handelnde Person wird sich eher für andere aufopfern, während eine böse handelnde sich eher eigenen Zielen widmet und egoistischer vorgeht.

Die Attribute rechtschaffen und chaotisch umfassen hingegen die ethische Orientierung des Charakters, wobei 'rechtschaffen' als Charakterzug definiert wird, bei dem sich eine Person gerne an vorhandenen Normen und Gesetzen orientiert und diese auch zu beachten versucht, während eine 'chaotisch' orientierte Person eher freiheitsliebend ist und sich ungern durch gesellschaftliche Regeln einschränken lässt.

Die Bezeichnung 'neutral' bildet die Mitte des Gesinnungskreuzes - und bezeichnet sowohl bei moralischem wie ethischem Handeln eine Person, die sich um die Wahrung des Ausgleichs, der Mitte bemüht. Zusammengesetzt ergibt das in etwa folgende Grafik:


Rechtschaffen Gut
Lawful Good
Neutral (Wahrhaft) Gut
Neutral (true) Good
Chaotisch Gut
Chaotic good
(Wahrhaft) Rechtschaffen Neutral
(True) Lawful Neutral
-Neutral- (Wahrhaft) Chaotisch neutral
(True) Chaotic Neutral
Rechtschaffen Böse
Lawful Evil
Neutral (wahrhaft) Böse
Neutral (true) Evil
Chaotisch Böse
Chaotic Evil



Rechtschaffen Gut - Titel: Kreuzritter
Charaktere mit dieser Gesinnung glauben daran, daß eine geordnete, starke Gesellschaft mit moralisch einwandfrei handelnder Regierung ein besseres Leben für die Mehrheit der Menschen schaffen kann. Wenn die Gesetze befolgt werden und einer dem anderen hilft, wird diese Gesellschaft blühen und gedeihen. Daher streben rechtschaffen gute Charaktere danach, den größten Gewinn für ihr Volk zu erzielen und dabei den geringstmöglichen Schaden zu verursachen. Rechtschaffen gute Charaktere halten sich an ihr einmal gegebenes Wort.
Archetyp: menschliche, zwergische und Draenei-Paladine


Neutral Gut - Titel: Wohltäter
Diese Charaktere glauben daran, daß ein Gleichgewicht der Kräfte wichtig ist, aber daß die Bedenken gegenüber den Gesetzen und Chaotentum nicht zwangsläufig die Notwendigkeit des Guten verändern. Da das Universum groß ist und viele Wesen danach streben, dieses Ziel zu erreichen, wird eine strikte Verfolgung des Guten das Gleichgewicht nicht unterwandern, sondern vielleicht sogar erhalten. Wenn die Pflege des Guten ein organisiertes System unterstützt, dann muß dies getan werden. Wenn Gutes nur durch den Umsturz der existierenden sozialen Ordnung entsteht, so sei es... Die soziale Struktur selbst hat keinen angeborenen Wert für diese Charaktere.
Archetyp: Lichtpriester, Naaru


Chaotisch Gut - Titel: Rebell
Chaotisch gute Charaktere sind starke Individualisten, die sich durch Freundlichkeit und Wohlwollen auszeichnen. Sie glauben an die Tugenden des Guten und Rechten, jedoch haben sie nur wenig mit Gesetzen und Richtlinien im Sinn. Sie halten nichts von Leuten, die "ihre Mitbürger drangsalieren und herum kommandieren". Ihre Handlungen werden von einem moralischen Verständnis geleitet, das allerdings wenn immer mit der übrigen Gesellschaft übereinstimmt.
Archetyp: Jäger


Rechtschaffen neutral - Titel: Richter
Ordnung und Organisation sind von absolut größter Wichtigkeit für diese Charaktere. Sie glauben an eine starke, gut organisierte Regierung, egal ob es sich dabei um eine tyrannische Regierung oder eine wohlwollende Demokratie handelt. Gesetze müssen erlassen und befolgt werden. Die Vorteile von Organisation und Reglementierung überwiegen die moralischen Fragen, die durch ihre Handlungen aufgeworfen werden. Ein Eid ist verbindlich, egal welche Folgen dies haben könnte. Ein völlig unparteiischer Friedensrichter oder ein Soldat, der niemals seine Befehle in Frage stellt, sind beste Beispiele für ein rechtschaffen neutrales Verhalten.
Archetyp: Eisenschmiede-Zwerge, Nachtelfen-Schildwachen, Gnome


Neutral - Titel: Zünglein an der Waage
Absolut neutrale Charaktere glauben an das ultimative Gleichgewicht der Kräfte und sie weigern sich, Handlungen als gut öder böse zu betrachten. Absolut neutrale Charaktere geben ihr Bestes im Bezug auf gut oder böse Kräfte, Gesetz oder Chaotentum keine Partei zu ergreifen. Es ist ihre Pflicht, dafür zu sorgen, daß diese Kräfte ausgeglichen bleiben. Absolut neutrale Charaktere werden oft zu ziemlich seltsamen Zusammenschlüssen gezwungen. In den meisten Fällen schlagen sie sich auf die Seite der Verlierer. Sie wechseln auch schon mal die Seiten, wenn der vorherige Verlierer plötzlich zum Gewinner wird.
Archetyp: Druiden, Schamanen


Chaotisch neutral - Titel: Freigeist
Chaotisch neutrale Charaktere glauben daran, daß es überhaupt keine Ordnung gibt und darin sind auch ihre eigenen Aktivitäten eingeschlossen. Diesem Lebensmotto folgend richten sie sich einfach nach ihrer momentanen Gemütslage. Gut oder böse spielt bei der Entscheidung keine Rolle. Der Umgang mit chaotisch neutralen Charakteren ist äußerst schwierig. Diese Charaktere sind bekannt dafür, daß sie munter und aus unerfindlichen Gründen alles, was sie besitzen, in nur einem Würfelspiel verspielen. Sie sind fast gänzlich unzuverlässig bzw. handeln vor allem nach eigenem Gutdünken.
Archetyp: Schurken, Söldner


Rechtschaffen böse - Titel: Beherrscher
Diese Charaktere glauben, daß Struktur und Organisation denjenigen Macht zuspricht, die sie verdient haben. Sie bevorzugen eine klar definierte Hierarchie zwischen Meister und Diener. Wenn jemand aufgrund eines Gesetzes, das dem rechtschaffen bösen Charakter nützt, verletzt ist oder leitet, haben sie Pech gehabt. Rechtschaffen böse Charaktere befolgen die Gesetze aus Angst vor Bestrafung oder aus Stolz über ihre Stärke. Da sie alle Verpflichtungen und Schwüre ehrenhaft einhalten, sind rechtschaffen böse Charaktere sehr vorsichtig, wenn es darum geht, jemandem ihr Wort zu geben. Wenn sie es einmal gegeben haben, so brechen sie es nur dann, wenn sie dies auf rechtlichem Weg, den Gesetzen der Gesellschaft entsprechend, tun können.
Archetyp: Scharlachroter Kreuzzug


Neutral böse - Titel: Raubmörder
Neutral böse Charaktere sind in erster Linie auf sich selbst und ihren eigenen Aufstieg bedacht. Sie sind einzig und allein an ihrem persönlichem Fortkommen interessiert. Wenn sie einen schnellen, einfachen Weg finden, einen Profit herauszuschlagen, sei es legal, fragwürdig oder ganz offensichtlich illegal, werden sie diese Chance nutzen. Auch wenn der neutral böse Charakter nicht die "Jeder kämpft für sich selbst"-Haltung der chaotisch bösen Charaktere einnimmt, hat er keinerlei Skrupel, seine Freunde und Kameraden für persönliche Zwecke zu hintergehen. Es ist typisch für ihn, daß er sich an Macht und Geld hält, was ihn äußerst anfällig für Bestechungen macht.
Archetyp: Viele Verlassene, ebenso gern Blutelfen


Chaotisch böse - Titel: Zerstörer
Chaotisch böse Charaktere werden von ihrem Wunsch nach persönlichem Vorteil und Vergnügen motiviert. Die Starken haben das Recht, zu nehmen, was sie wollen und die Schwachen sind da, um ausgebeutet zu werden. Wenn chaotisch böse Charaktere sich zusammenschließen, sind sie nicht daran interessiert, zusammenzuarbeiten, sondern sich starken Gegnern zu widersetzen. Eine derartige Gruppe kann nur durch einen starken Anführer zusammengehalten werden, der seine Untergebenen mit Nachdruck zum Gehorsam zwingt. Da die Führung auf reiner Macht basiert, wird ein Führer bei den ersten Anzeichen von Schwäche sofort von einem anderen abgelöst, der ihm durch Einsatz jeglicher Mittel seine Macht entreißen kann.
Archetyp: Die Brennende Legion, die Dämonen